Nachtwanderung als Gesellschaftsstudie

Nein, es handelt sich hierbei nicht um einen Gruselfilm, sondern tatsächlich um eine interessante Gesellschaftsbetrachtung.

Die Kinder begegnen auf ihrem Weg durch den Wald absonderlichen Käfigen, in denen jeweils verschiedene Gruppen von Menschen eingesperrt sind.

So beinhaltet ein Käfig beispielsweise eine Reihe von Menschen, die an einem Laufband stehen und ein undefinierbares Ding zusammen- und wieder auseinanderbauen. Ein anderer Käfig beherbergt eine Gruppe von Anzugträgern, die geschäftig Papiere hin- und hertragen, abstempeln und sortieren. In einem dritten Käfig beschäftigen sich die Menschen mit dem Malen von Bildern und dem Basteln von merkwürdigen Konstrukten…

Schnell wird klar, was das Team um Regisseur Bilal Bahadir mit ihrem Film "Zoone" (Kusthochschule für Medien Köln) bezweckt. Zwar sind die Deutschen generell ein freies und selbstbestimmtes Volk, doch besteht die Gesellschaft nicht desto trotz aus verschiedensten Gruppierungen - Arbeiter, Bürokraten, Künstler usw. Das muss sicherlich keine schlechte Sache sein, denn die Gruppen die wir uns aussuchen / zu denen wir gehören möchten, vermitteln uns natürlich ein Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. So ziehen die Käfige also auch die Kinder in ihren Bann. Zwei von dreien können sich ihnen nicht entziehen und bleiben in den Käfigen verhaftet.

Aber nicht alle Menschen suchen sich ihre Gruppe oder Schicht frei aus, sondern werden hineingeboren und können oftmals nur schwer entfliehen.

Und egal ob selbst erwählt oder hineingeboren: in Gruppen herrschen Maßstäbe, Regeln und Vorgaben, die ihre Mitglieder zu Gefangenen in einem Käfig aus Vorgaben machen können. Es ist an uns zu sondieren, ob wir in unseren Gruppen bleiben wollen, oder auch einmal den Blick über den Tellerrand (in diesem Fall Käfigrand) hinauswagen und neues entdecken wollen. Wie Kind Nummer drei, welches als Einziges den Weg hinaus aus dem Wald und weg von den Käfigen findet.